Pure Fruit #35: Johann Heinrich Voß

in Zusammen­arbeit mit der Johann-Heinrich-Voß-Gesellschaft
November 2026

Die Werke von Johann Heinrich Voß (1751–1826) gehören zum festen Bestand unserer Literatur­geschichte. Berühmt wurde er vor allem durch seine Über­setzungen der »Ilias« und »Odyssee« von Homer – doch wer ihn nur als Sprach­künstler liest, übersieht den politischen Kopf dahinter. Voß schrieb in einer Zeit des Umbruchs: vor, während und nach der Französischen Revolution (1789–1799). Eine Demokratie gab es in den damaligen zersplitterten deutschen Staaten und Herrschafts­räumen noch nicht. Aber Voß dachte und fühlte bereits demokratisch. Somit ist es wichtiger denn je einen Blick auf Voß zu werfen und fest­zu­stellen: Wie lebte es sich ohne Demokratie?

Besonders deutlich wird Voß’ Denken in seinen Idyllen, die während seiner Jahre als Lehrer und Rektor in Otterndorf und Eutin entstanden. Hinter der scheinbar ländlichen Ruhe verbirgt sich scharfe Gesell­schafts­kritik. Er klagte in seinen Werken die Recht­losigkeit der Leib­eigenen an – überall dort, wo große Teile der ländlichen Bevölkerung von Gutsherren abhängig und ihnen faktisch ausgeliefert waren. Voß machte sich zum Anwalt der Unterdrückten und forderte Würde und Freiheit für Menschen, die keine Stimme hatten.

Auch in seiner Themen­wahl zeigt sich diese Haltung. Er besingt nicht Fürsten und Helden, sondern Menschen bei der Arbeit: bei der Ernte, beim Dreschen, beim Flachs­brechen. Nicht Herkunft oder Stand zählen, sondern das, was einer tut. Darin liegt sein demo­kratischer Kern: der Respekt vor der Leistung des Einzelnen und der Glaube an gleiche menschliche Würde.

Anlässlich seines 275. Geburtstages, seines 200. Todestages und des 270. Geburtstags seiner Frau Ernestine ehrt die Johann-Heinrich-Voß-Gesellschaft gemeinsam mit Pure Fruit den Dichter und streitbaren Geist mit einem Comic.

Mit Beiträgen von
Kristina Andabak
Arne Auinger
Anne Baumgard
Tim Eckhorst
Carsten Fuhrmann
Leni Grimmeisen
Matze Latza
Volker Sponholz

Szenario:
Silke Gehring
Dr. Frank Baudach
Tim Eckhorst

Cover:
Tim Eckhorst

Gratis-Veröffentlichung – gedruckt und digital
Jaja Verlag
ISBN 978-3-948904-91-3